Forschungsnews

Weltweit forschen unzählige Spitzenwissenschaftler und ergründen das komplexeste Organ das wir kennen - das menschliche GehirnDas Gehirn macht nur 2 Prozent unseres Körpergewichtes aus, verbraucht aber 20% des Sauerstoffes und 20% des ganzen Energiehaushaltes. Die vielleicht wichtigste Eigenschaft ist die Flexibilität des Gehirns, denn wir lernen und verlernen tatsächlich ein ganzes Leben lang. Wie flexibel tatsächlich das Gehirn ist, ist erst seit wenigen Jahren bekannt.

 

Die folgenden drei wichtigen Studien fassen den aktuellen und für unsere Arbeit wichtigen Wissensstand zusammen:

  • Studie 1: „Cross-Modal Re-Organization in Adults with Early Stage Hearing Loss“ von Campbell, Sharma, University of Colorado at Boulder

    Overall, our findings provide the first evidence that visual cross-modal re-organization not only begins in the early stages of hearing impairment, but may also be an important factor in determining behavioral outcomes for listeners with hearing loss, a finding which demands further investigation.“

    Anu Sharma ist Professorin und Forscherin an der Universität Colorado Boulder. Ihr Fachgebiet: Die Auswirkungen eines Hörverlustes auf das Gehirn. In Ihrer aktuellen Arbeit ist es ihr und ihrem Team gelungen, die stattfindenden Veränderungen des Gehirns bereits bei einem leichten Hörverlust sichtbar zu machen. Mittels hochauflösender Elektroenzephalografie konnte exakt gezeigt werden, welche Hirnareale beim Prozess der Sprachwahrnehmung aktiviert werden. Erschreckend ist zum einen, dass unter anspruchsvollen Bedingungen wie Lärm die leicht schwerhörigen Probanden andere Hirnareale aktivieren, als zum Vergleich die Normalhörenden. Zum Anderen startet der Prozess der Re-Organisation deutlich früher als vermutet. Der gemittelte Hörverlust der schwerhörigen Probanden entspricht einem CPT-AMA von gerade mal 15%. 

 

  • Studie 2: „Self-Reported Hearing Loss, Hearing Aids, and Cognitive Decline in Elderly Adults: A 25-Year Study (PAQUID)“ von Universität Bordeaux und Prof. Hélèn Amieva

    Die Behandlung des Gehörs ist komplex und besteht nicht ausschließlich aus der Verwendung eines Hörgeräts."

    Prof. Hélèn Amieva begleitete die 25 Jahre umfassende Kohorten-Studie PAQUID in Frankreich. Daran nahmen fast 4'000 zufällig ausgewählte Personen im Alter von 65 Jahren oder älter teil. Regelmässig haben alle Teilnehmer mini-mental-status-tests durchgeführt um die kognitiven Leistungen zu dokumentieren. Dabei fiel auf, dass schwerhörige Teilnehmer die kein Hörgerät nutzten einen stärkeren Abbau der kognitiven Fähigkeiten aufwiesen und umgekehrt blieben Schwerhörige mit einer Hörgeräteversorgung auf demselben Niveau wie die Normalhörenden. Die Studie schlussfolgert, dass ein unbehandelter Hörverlust in Verbindung mit dem kognitivem Verfall bei älteren Menschen steht. Eine Wiederherstellung oder Verbesserung der Hörfähigkeit begünstigt die soziale Interaktion, was dazu führt, dass durch die Teilnahme an kognitiv anregenden Tätigkeiten der kognitive Verfall verlangsamt wird.

 

  • Studie 3: Verstehen wird für das Gehirn in Alter anstrengender, Training kann aber helfen, UZH

    Die gesicherte Erkenntnis, dass auch ein alterndes Gehirn das Verständnis von Sprache wieder erlernen kann, ist für uns von grosser Bedeutung. Hören und Verstehen findet nicht nur mit den Ohren, sondern insbesondere im Gehirn statt."

    Eine aktuelle Studie der Universität Zürich in Zusammenarbeit mit Sonova zeigt, dass eine Hörminderung im Alter neben cochleären– auch neurologische Veränderungen umfasst. Mit Hilfe von EEG Messungen konnten Doktorandin N. Giroud und Prof. Dr. M. Meyer die Anstrengung des Gehirns bei diffiziler Lautunterscheidung wie „Ascha“ und „Afa“ und damit in gewisser Weise das Hörverstehen, sichtbar machen. Das Ergebnis zeigt, dass junge Gehirne in dieser Hinsicht müheloser differenzieren als ältere und bei Hörgeräteträgern die Anstrengung weiter erhöht ist. Weiterhin konnte gezeigt werden, dass unabhängig von den Voraussetzungen nach gezieltem Training eine Verbesserung und damit verminderte Anstrengung gemessen werden konnte. Die Hauptaussage der Studie ist demnach, dass ein Gehirntraining bei einer Hörgeräteversorgung im Alter nötig ist, um das Sprachverstehen wieder weitestgehend herstellen zu können.

    ➢ Link zum Interview: Spektrum Hören

  

   

Dr. KupferbergDr. Alexsandra Kupferberg

Neurobiologin und Neurowissenschaftlerin an der Universität Bern, wissenschaftliche Leitung der KOJ-Institute für Gehörtherapie

 

"Die Ergebnisse meiner bisherigen Arbeiten habe ich in mehreren wissenschaftlichen Publikationen in internationalen Fachzeitschriften unter Beweis gestellt."

  

  1. Kupferberg A, Iacoboni M, Flanagin V, Huber M, Kasparbauer A, Schmidt F, Borst C, Glasauer S Action- and goal-specific fronto-parietal activation during observation of actions performed by artificial agents and humans. Hum Brain Mapp. 2017;00:1–18.

  2. Kupferberg A, Preuss N, Hasler G (2017) Verwendung ökonomischer Spiele für die Diagnostik psychischer Erkrankungen. Zeitschrift für Psychiatrie, Psychologie und Psychotherapie 65(1), 1–10.

  3. Kupferberg A, Bicks L and Hasler G (2016) Social functioning in the major depressive disorder. Neurosci Biobehav Rev. 6:313-332. doi: 10.1016/j.neubiorev.2016.07.002.

  4. Kupferberg A, Hager O, Fischbacher U, Brändle L, Haynes M, Hasler G (2016) Testing the social competition hypothesis of depression using a simple economic game. BJPsych Open 2:163-169.

  5. Kupferberg A. (2013) Of men, monkeys, and machines: Behavioral and neural correlates of goal understanding in humans and non-human primates. Dissertation, LMU München: Graduate School of Systemic Neurosciences (GSN)

  6. Kupferberg A, Glasauer S, Burkart JM (2013) Do robots have goals? How agent cues influence action understanding in non-human primates. Behav Brain Res. 1:47-54. doi: 10.1016/j.bbr.2013.01.047

  7. Huber M, Kupferberg A, Lenz C, Knoll A, Brandt T, Glasauer S (2013) Spatiotemporal movement planning and rapid adaptation for manual interaction. PLoS ONE 8(5):e64982. doi:10.1371/journal.pon

  8. Burkart J, Kupferberg A, Glasauer S, van Schaik C (2012) Even simple forms of social learning require intention attribution in marmoset monkeys. Journal of Comparative Psychology, 126:129-138.

  9. Kupferberg A, Huber M, Helfer B, Lenz C, Knoll A, Glasauer S (2012) Moving Just Like You: Motor Interference Depends on Similar Motility of Agent and Observer. PLoS ONE 7(6): e39637.

  10. Kupferberg A, Glasauer S, Huber M (2011) Accessing robot acceptance by motor interference. In: Advances in Interaction Studies (Dautenhahn K, Cangelosi A, Eds.), pp. 165–184.

  11. Kupferberg A, Glasauer S, Huber M, Rickert M, Knoll A, Brandt T (2010) Biological movement velocity profile increases acceptance of humanoid robots as human partners in motor interaction. AI & Society, 26 :339-345.

  12. Kupferberg A, Glasauer S, Huber M, Rickert M, Knoll A, Brandt T (2009) Video observation of humanoid robot movements elicits motor interference. In: Proceedings New Frontiers in Human-Robot Interaction (Dautenhahn K, Ed.), SSAISB: The Society for the Study of Artificial Intelligence and the Simulation of Behaviour ISBN - 190295680X, Edinburgh, pp 81-85.

  13. Kupferberg A, Glasauer S, Stein A, Brandt T (2009) Influence of uninformative visual cues on gravity perception. Ann NY Acad Sci 1164:403–405.

 

Hier finden Sie einige weitere Forschungsberichte rund um das Thema Gehirn und Gehör:

 

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